Die Alte Kirche in Heumaden

Baumaßnahmen über die Jahrhunderte

Erweiterung

Noch vor Einführung der Reformation im Jahr 1534 wurde das Schiff angebaut, an dessen Ende ein Türmchen mit einer Glocke aufgesetzt wurde. Ob dieser Anbau als Provisorium gedacht war, ist unbekannt. Jedenfalls passte er von den Ausmaßen nicht zum Chor. Der Dachfirst des Schiffs war um etwa 1,70 m niedriger als der Chor und auch im Innenraum war die Decke entsprechend niedriger. Das quadratische Türmchen hatte lediglich eine Seitenlänge von knapp 2,60 m und ragte kaum über den Chor hinaus. Das Schiff verfügte nur über ein Fenster und kleine Lichtöffnungen. Zur Nordseite hin steckte der untere Teil der Außenwand in der Erde, etwa bis zur heutigen Straßenhöhe. Nach Einführung der Reformation wurde im hinteren Teil eine Empore eingebaut, deren Zugang von außen von der Nordseite her erfolgte. Der freie Blick auf den Altar hatte für die Protestanten keine wesentliche Bedeutung. Das Hören der Predigt hatte oberste Priorität.

Umbau im Jahr 1667

Die Kirche bot in diesem Zustand einen seltsamen Anblick. Auch konnten die Bürger die Glocke, zumal die Kirche dazu noch tief am Ende des Dorfes stand, nur in nächster Nachbarschaft hören, so dass sie nicht wussten, wann sie sich auf den Weg zum Gottesdienst machen sollten. Nachdem das Türmchen zudem baufällig geworden war, entschloss sich die Gemeinde zu einer umfassenden Baumaßnahme. Dabei wurde das Dach des Schiffs auf die Höhe des Chors angehoben und es wurde ein größerer Turm aufgesetzt. Die Kirche hatte nun die Ausmaße, die sie noch heute hat. In den größeren Kirchturm konnte nun auch eine zweite Glocke eingebaut werden, die von den ledigen Bürgern des Ortes gestiftet wurde und daher „Ledigenglocke“ hieß. In dieser Zeit stiftete Hans Bockel, Schultheiß des Ortes, das Kruzifix, das sich noch heute in der Kirche befindet.

Große Umgestaltung im Jahr 1893

Der Zustand vor der Umgestaltung im Jahr 1893 war der, den auch die eingangs erwähnte Oberamtsbeschreibung zu ihrem kritischen Urteil veranlasste. Innen war das Schiff dunkel mit nur einem Fenster und ein paar Lichtöffnungen. Die Decke war eben und niedriger als im Chor. Die nördliche Wand war mit grünem Schimmel bedeckt, da sie im Boden steckte. Einzelne Bänke waren so schief, dass man Mühe hatte, aufrecht zu sitzen. Auch die im Jahr 1786 in den Chor eingebaute Empore, auf welcher die Orgel stand, trug nicht zur Verschönerung bei, da sie die Fenster im Chor verdeckte. Dazu war das nördliche Chorfenster entfernt worden, um einen Aufgang zu dieser Empore zu schaffen.

Es war ein großer Glücksfall, dass man für die Umgestaltung den renommierten Architekten Heinrich Dolmetsch (1846 - 1908) gewinnen konnte, der viele Kirchen in Württemberg umgestaltet hat. Darunter die Michaelskirche in Degerloch und die Andreaskirche in Uhlbach. Als Neubau hat er die Markuskirche in Stuttgart mit dem weltweit ersten Kirchturm aus Stahlbeton errichtet.

Bei dieser Umgestaltung wurde im Chor die Empore entfernt und eine Abtrennung des Altarraums durch Einbau eines Chorbogens geschaffen. Die Kanzel wurde zurückgesetzt an den Chorbogen. An der Nordseite wurde eine zusätzliche Tür und eine Rosette eingebaut. Das Kruzifix wurde entfernt und auf der Rathausbühne eingelagert. Man stellte das Kruzifix jedoch im Jahr 1906 wieder in der Kirche auf.

Im Schiff wurden vier Spitzbogenfenster sowie vier Oberlichter eingebaut und die Decke wurde auf die Höhe der Decke im Chor angehoben. Zur Straße hin wurde die Außenwand freigelegt. Die Empore wurde erneuert und mit einem Innenaufgang versehen. Sie verfügte im Gegensatz zu heute über zwei Längsemporen. Auf dieser Empore wurde eine neue Orgel errichtet.

Der gesamte Kirchenraum wurde mit Jugendstilornamenten versehen. Außerdem wurden neue Kirchenbänke eingebaut.

Die Bauarbeiten hatten am 27. Juli 1893 begonnen und wurden bereits am 17. Dezember desselben Jahres abgeschlossen. Pfarrer Baumann predigte bei der Einweihung über Psalm 36, 10: „Bei dir ist die Quelle des Lebens“. Diesen Text wählte er nicht ohne Hintergedanken. Im Ort waren nämlich Stimmen laut geworden, dass man das Geld anstatt für die Kirchenrenovierung sinnvoller für einen ordentlichen Brunnen im Ort hätte einsetzen sollen, um der ständigen Wasserknappheit im Sommer abzuhelfen.

Renovierung im Jahr 1956/57

Bei der Renovierung im Jahr 1956/57 wurden dem Geist der damaligen Zeit folgend viele Stilelemente der letzten Umgestaltung wieder entfernt. Ziel war, alles wegzunehmen, was den direkten Blick auf Christus, dargestellt am Kruzifix beim Altar, ablenken könnte. Dazu wurden die Tür und die Rosette auf der Nordseite von innen zugemauert und es wurden die beiden Bankreihen im Chor entfernt. Außerdem wurden nahezu sämtliche aufgemalten Ornamente an Wänden und Decken sowie die Oberlichter entfernt. Sogar die ausgesägten Sterne an der Decke des Schiffs wurden mit einer Leiste überdeckt. Im Zuge dieser Renovierung wurden auch die Fenster im Chor erneuert und die beiden Längsemporen entfernt. Die Kirche bot nun einen nüchternen und schlichten Anblick.

Renovierung im Jahr 1984

Bei der Renovierung im Jahr 1984 unter der Leitung von Herrn Architekt Gottfried Wendschuh wurden viele Maßnahmen der letzten Renovierung wieder rückgängig gemacht: Die Tür auf der Nordseite wurde wieder freigelegt und mit einem Windfang versehen. Ebenso wurde die Rosette freigelegt. Auch wurden Decken, Wände, Chorbogen und Orgelprospekt wieder mit Ornamenten versehen und die Sterne an der Decke des Schiffs wurden sichtbar gemacht und bemalt. Außerdem wurde ein neuer, heller Bodenbelag eingebaut, die Kirchenbänke und die Kanzel bekamen ein helleres Aussehen und es wurde im Chor wieder eine Bankreihe eingebaut. Der Innenraum erhielt damit sein heutiges Aussehen.